„Kunst gegen Mauern“

Sechs Klassen der Zinnowwald-Grundschule beteiligen sich an dem von Lukas Wirths initiierten und organisierten Projekt „Kunst gegen Mauern“. Die Ergebnisse – Miniatur-Mauerstücke – sind vom 5. bis 14. November 2019 im Boulevard Berlin zu sehen.

Boris Buchholz vom Tagesspiegel interviewte einige Schüler*innen bei der Ausstellungseröffnung:

„Ich habe einen Menschen gemalt, der erschossen wird“: Schüler gestalteten Mini-Mauer-Stücke. „Mama, wie sieht der Funkturm aus“, hat Marilli auf die von ihr bemalte Miniatur eines Teilstücks der Berliner Mauer geschrieben. Und daneben steht die Frage: „Bist du ein IM?“ Zwei Mauerstücke weiter ist die Silhouette eines Menschen zu sehen, auf seiner Brust ist ein Loch. „Ich habe auf der Ostseite einen Menschen gemalt, der versucht, über die Mauer zu klettern und dabei erschossen wird“, erklärt Matilda, sie ist zehn Jahre alt (wird aber bald elf). Auf der Westseite ihres Mauerteils strahlt ein Regenbogen. Henry, auch er ist 10 Jahre alt, hatte überlegt, was die Menschen in Ost- und West-Berlin wohl sehen konnten: „Auf der Ostseite konnte man den Fernsehturm und auf der Westseite den Funkturm sehen.“ Also lacht auf dem von ihm gestalteten Mauerstück ein Fernsehturm aus dem blauen Himmel – dort war er auch schon einmal, „auf dem Funkturm noch nicht“.

Marilli, Matilda und Henry gehen in eine sechste Klasse der Zehlendorfer Zinnowwald-Grundschule. Schülerinnen und Schüler aus neun Grund- und Oberschulen haben bei der Aktion „Kunst gegen Mauern“ mitgemacht, gleich vier stammen aus Steglitz-Zehlendorf. …

„Ich bin froh, dass die Mauer gefallen ist“, erzählt Jakob, 10 (auch er wird bald elf). Was wäre denn, wenn sie noch stehen würde? „Man könnte vielleicht nicht ganz so frei seine Meinung sagen“, ist die Antwort: „Und es wäre schwer, seine Verwandten zu besuchen.“ In seiner Familie hätten sie darüber gesprochen, „warum die Mauer entstanden und wie sie gefallen ist“. Caroline, 11, ist über die friedliche Revolution und den Fall der Mauer heilfroh. Sie befürchtet, dass sie sonst gar nicht auf der Welt wäre: „Sonst hätten sich meine Eltern gar nicht kennen lernen können, weil mein Papa sonst nicht da studiert hätte, wo er studiert hat.“ Ihr Vater war für das Studium nach Weimar gezogen – dort traf er Carolines Mutter.

Wie wird zu Hause über die Mauer gesprochen? Manche der Kinder erzählen, dass sie ihre Eltern über die Wende-Zeit befragt hätten. Andere berichten, zu Hause sei der Mauerfall „nicht so richtig“ Thema. „Meine Mutter war vier als die Mauer fiel“, erklärt eine Schülerin – für manche Eltern ist die mauerlose Zeit genauso normal wie für ihre Kinder. Doch die Zinnowwald-Schüler werden noch einiges über die DDR, die BRD, die Mauer, den kalten Krieg und den Mauerfall erfahren: Am Donnerstag und Freitag seien an ihrer Schule Projekttage, erfahre ich von Matilda.

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